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Samstag, 8. Juli 2017

Oma ..

Nichtsahnend betreten wir das Zimmer meiner Schwiegermutter, da fährt uns der Schreck in die Glieder: Sie liegt bäuchlings auf dem Fußboden vor ihrem Bett, mit dem Kopf in einer großen Blutlache.
Nach einer halbsekündlichen Schockstarre eilen wir schnell zu ihr, stellen fest, das sie bei Bewußtsein ist und atmen erst einmal auf. Mein Schätzelchen ruft den Krankenwagen, während ich vorsichtig ihren Kopf etwas anhebe, um festzustellen, wo sie verletzt ist.
Schätzelchens Sohni, den wir schnell herbeirufen, besorgt eine Schüssel mit Wasser und einen Waschlappen.
Nachdem ich sie abgewaschen habe sehen wir, dass die Kopfwunde zum Glück relativ klein ist. Beim Sturz aus dem Bett ist sie ganz unglücklich auf die Feststellbremse vom Rad gefallen.
Ihre Sprachlosigkeit wirkt sich in solchen Momenten natürlich sehr negativ aus. Um Hilfe rufen kann oder tut sie nicht (sie könnte durchaus einige Wörter sagen, aber ist wohl nicht mehr in der Lage, bewußt zu rufen). Grundsätzlich bleibt sie auch genau da liegen, wo sie stürzt. Weder versucht sie aufzustehen, noch ihre Position zu verändern.
Alles nicht hilfreich.
Wir lagern sie vorsichtig auf dem Rücken, Oberkörper hoch.
Wer, wie wir, auf dem Land wohnt, weiß: 15 Min. muß man immer einplanen, bis der Rettungswagen da ist.

Sie kommt ins Krankenhaus und am nächsten Tag steht fest: außer Platzwunde und blaue Flecken ist nichts passiert. Da sie auch eine fette Bronchitis hat, bleibt sie einige Tage dort, um diese mitzubehandeln.
Die Ärztin bittet uns zum Gespräch und stellt Fragen wie: "Wenn sich ihr Zustand heute Nacht sehr verschlechtert, welche Maßnahmen sollen wir anwenden?"
Nach dem ersten Schreck und der Erklärung der Ärztin, man könne lieber jetzt darüber sprechen, als in der Nacht um 3 Uhr unvorbereitet solche Entscheidungen treffen zu müssen, überlegen wir gemeinsam, was zu tun oder zu lassen ist.

Wir fahren jeden Tag zu ihr. Die gleichaltrige Bettnachbarin ist beeindruckt, auch davon, dass Schwiegermutter nicht in einem Heim lebt und wir sie so schnell, wie möglich, wieder mitnehmen wollen.
Nach 4 Tagen ist es soweit.
In unserer Whatsapp-Familien-Gruppe teile ich ab dem Unfall zeitnah alle Neuigkeiten mit. Niemand kommt Oma im Krankenhaus oder danach zu Hause besuchen. Immerhin hat sie 4 Kinder mit Ehepartner ... EnkelInnen und Urenkel.
Nach einer Woche fragt unsere Nichte:"Wie geht es Oma?"
Ich: "Oma bedankt sich ganz herzlich bei ihrer Familie für die vielen Besuche."
Da war erst mal Funkstille. Erst eine Woche später schickte mal wieder jemand ein Foto aus dem Urlaub.

Eigentlich ist die Familie nett, ich mag sie alle. Aber dieses Verhalten kann ich nicht verstehen. Und die Ausrede: "Oma merkt das doch sowieso nicht." ist wirklich nur eine Ausrede und Unsinn.
Am liebsten hätte ich geantwortet: "Dann braucht ja später auch niemand zur Beerdigung kommen, das merkt sie nämlich wirklich nicht." Aber Schätzelchen möchte keinen Streit.

Fast wäre unser Urlaub wegen dem Unfall ins Wasser gefallen, aber sie erholte sich doch soweit, dass wir ohne irgendwelche Befürchtungen fahren konnten.
267 mal mitgeschlummert

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